zuletzt geändert/erweitert am: 10.02.2000
Welcher Kocher?
Die Art des Kochers ist in der Regel oftmals eine Glaubensfrage, ebenso wie bei der Art des Zeltes.
Jeder Kocher hat seine Vor- und Nachteile, je nach Neigung (Bastler oder nicht) muß man sich mit den Eigenarten des Kochers oder der Kocherart arrangieren und ihn für das zu bereisende Land auswählen.
Die vor Dir liegende Seite, soll Dir ein Ratgeber sein und Dich bei Deiner Entscheidung unterstützen.
- Die Kocherarten
So viele Kocherarten gibt es eigentlich gar nicht, aber dennoch kann es Wochen dauern, bis man sich zu einer Kocherart durchgerungen hat.
Da gibt es die wartungsfreien Gaskocher, die "zuwendungsbedürftigen" Benzin-, Petroleum-, und Dieselkocher, die Alleskönner (Multikocher), den skandinavischen Klassiker Trangia (Spiritus), den kleinen Esbitkocher und natürlich das klassische Lagerfeuer.
- Gaskocher
Gaskocher sind unkompliziert und sicher in der Anwendung und die Flamme ist einfach zu regulieren. Man braucht keine Reinigungsarbeiten wie bei Benzinkochern zu verrichten und man erspart sich die Startprozedur.
Wenn der Kocher bei Kälte, besonders bei Temperaturen unter 0 °C, betrieben werden soll, dann muß man ein Gemisch aus Butan/Propan oder Butan/Propan/Iso-Butan verwenden.
Das Butan-Gas hat bei diesen Temperaturen Probleme, aus der Kartusche zu strömen.
Besonders bei Gaskochern empfiehlt sich das Aufstellen eines Windschutzes, damit der Wind einem die Hitze nicht raubt.
Aufpassen muß man allerdings, wenn die Kartusche umfällt, dann kann es zu einer Stichflamme kommen!
Kartuschen für die Gaskocher bekommt man fast überall, zumindest da, wo es auch Touristen gibt.
Es gibt die drei Arten: Stech-, Ventil- und Schraubkartuschen.
Da Stechdornkartuschen am weitesten verbreitet sind, empfiehlt sich die für die Schraubkartuschenkocher die Mitnahme eines Adapters.
Die Ventil- und Schraubkartuschen kann man nach Gebrauch abschrauben und z. B. für eine Lampe verwenden. Sie sind aber teurer als die Stechkartuschen. Ventilkartuschen gibt es nur von Camping Gaz und sind mit anderen Kartuschen nicht kompatibel.
Schraubkartuschen gibt es von Primus, Coleman, EPIgas und MSR, sie sind untereinander kompatibel. Wichtig ist noch, daß man darf keine Kartuschen im Flugzeug transportierend darf, dies gilt für alle Brennstoffe!
- Benzinkocher
sind nichts für Leute, die keinen Schraubenschlüssel in die Hand nehmen möchten. Besonders die Düse eine Benzinkochers muß regelmäßig gereinigt und gewartet werden.
Dies ist selbst bei den Benzinkochern MSR Whisperlight 600 und X-GK mit einer sogennanten selbstreinigenden Schütteldüse der Fall.
Diese Schritte wiederholen sich natürlich um so mehr, wenn man kein gereinigtes (Waschbenzin) verwendet. Nicht jeder Benzinkocher verträgt auch Autobenzin gut.
Dafür sollte es aber keine Probleme mit der Brennstoffversorgung geben.
Um hartnäckige Verkrustungen zu lösen oder wenn die Litzen aus den Spritleitungen nicht herauswollen, empfiehlt sich das Einweichen in Cola (Wirkstoff: Phosphorsäure) über Nacht.
Benzinkocher sind wie oben beschrieben nicht gerade pflegeleicht und nicht so einfach zu bedienen wie ein Gaskocher. Ein Benzinkocher muß vor Betrieb vorgeheizt werden. Desweiteren muß in der Benzinflasche Druck aufgebaut werden, damit der Sprit in die Leitung fließt. Nach Gebrauch sollte man zur Sicherheit für den Transport den Druck wieder ablassen.
Benzinkocher darf man auf keinen Fall im Zelt verwenden! Bei Gebrauch in der Apsis sollte man mit dem Brenner vertraut sein, da es ansonsten schon mal zu einer Stichflamme oder Verpuffung kommen kann.
Die Brennleistung eines Benzinkocher ist in der Regel höher als die eines Gaskochers.
Dadurch ist er auch nicht ganz so windanfällig. Trotzdem kann man auch hier die Kochzeiten durch einen geeigneten Windschutz (aus Aluminium oder einfach aus ein paar Kisten) verkürzen.
Nur wenige Modelle, z. B. der MSR Dragonfly, lassen sich so gut regulieren, wie ein Gaskocher.
Einige Fluggesellschaften machen Probleme beim Mitführen eines Benzinkochers. Ebenso darf kein Benzin im Flugzeug mitgeführt werden.
Wer kein Waschbenzin verwenden kann, sollte lieber Normal- als Superbenzin einsetzen und selbstverständlich keinen verbleiten Sprit benutzen; die Aufnahme von Blei führt zu irreparablen Hirnschäden! Je höher die Oktanzahl ist, desto schlechter ist der Sprit für den Menschen und für den Brenner, da in diesem Sprit besonders der Benzolanteil und der Anteil an Zusätze noch höher ist. Waschbenzin enthält übrigens keine weiteren Zusätze wie Benzol, Farbstoffe und sonstige Zusätze.
- Petroleumkocher
Petroleum- und Dieselkocher benutzen oft die gleiche Düse und die gleiche Technik, so daß in der Regel ein Dieselkocher auch mit Petroleum betrieben werden kann, und umgekehrt natürlich.
Petroleumkocher arbeiten im Winter und auch in großen Höhen noch anständig. Petroleum ist aber schwer entflammbar, daher muß es mit Spiritus, Esbit oder Brennpaste vorgeheizt werden. Hier gilt wie bei Benzinkochern: nichts für linke Hände.
- Dieselkocher
siehe Petroleumkocher
- Multikocher
Unter den Flüssigbrennstoff-Kochern gibt es einige Multikocher.
Multikocher können neben Benzin auch noch Petroleum und Diesel verbrennen.
Da Petroleum und Diesel einen höheren Brennpunkt haben und auch stärker rußen als Benzin, ist dafür in der Regel ein Umbau des Generators und/oder der Düse fällig.
Der Primus MFS Multi Fuel 3288 kann sogar zusätzlich noch mit Gas (Schraubkartuschen) betrieben werden.
Beim MFS läßt sich die Flamme sehr gut regulieren, man kann mit der Kartusche vorheizen und dann zu Benzin übergehen. Der Kocher macht auch keine Probleme bei Verwendung von Autobenzin. Eine Reinigung fällt bei ihm nur selten an. Er ist robust gebaut und hat sogar eine Pumpe aus Aluminium.
- Spirituskocher
Der Trangia-Sprituskocher ist ein windgeschützter und standfester Kocher, der mit einem passenden Kochset angeboten wird, es gibt ihn in mehreren Ausführungen (Aluminium, Edelstahl, Titan oder beschichtet z. B. Non-stick und Duossal).
Non-stick ist von Innen beschichtetes Aluminium und wird für die Töpfe und Pfannen angeboten; Duossal-Geschirr (Duo-Stainless Steel-Aluminium) hat als Außenmaterial Aluminium und als Innenmaterial Edelstahl. Titan wird noch nicht lange für Kochgeschirr eingesetzt. Titan ist vor allem leicht und sehr teuer. Es ist dafür aber abriebfest und stabil. Titan hat keine sehr gute Wärmeleitfähigkeit, hält dafür aber das Essen länger warm.
Preiswerte Nachbauten des Trangiasets gibt es z. B. von Tatonka.
Der Spiritusbrenner läßt sich unproblematisch gegen einen Gasbrenner austauschen. Einige Benzinbrenner, z. B. der Whisperlite von MSR, können ebenfalls in das Trangiaset oder entsprechende Nachbauten eingebaut werden. Hierfür muß man lediglich drei Kerben in den Unterbau für die Füße schneiden.
Der Spirituskocher läßt sich nicht so einfach regulieren, wie ein Gaskocher.
Ganz Wichtig: Nie Spiritus aus der Flasche zum Nachfüllen benutzen, wenn der Brenner noch brennt - Stichflamme!!! Besser einen Löffel, eine Spritze oder z. B. die kleinen Zitronenfläschchen benutzen.
Vor dem Anzünden kann man, z. B. bei Kälte empfehlenswert, die Rille und das Gewinde am Brenner mit Spiritus übergießen, dadurch wird die Heizleistung erhöht.
Durch Zugabe von etwas Wasser, max. 10%, rußt der Spiritus weniger, dies sollte man aber erst machen, wenn der Brenner warm ist. Sobald dann der Brenner richtig "läuft", kann man den Topf draufstellen.
Spiritus besitzt weniger Brennleistung als Gas- oder Benzin. Aufgrund des guten Windschutzes geht hier aber weniger Energie "verloren" als bei einem Gas- oder Benzinkocher, der Brennstoffverbrauch hält sich dadurch in Grenzen.
0,6 - 0,8 Liter kann man pro Person und Woche rechnen, das hängt natürlich vor allem vom Umfang und der Häufigkeit der Menüs ab und natürlich von den Witterungsbedingungen.
Bei kälteren Temperaturen empfiehlt es sich, Spiritus und Brenner mit in den Schlafsack zu nehmen, zumindest aber mit ins Zelt.
In der Regel wird nur flüssiger Spiritus verwendet. Von festen Spiritus (gelierter Spiritus) und auch von Brennpasten wird dringend abgeraten, da hierbei die Brennerlöcher derart verstopfen, daß der Kocher nachher nur mit sehr großen Aufwand wieder davon befreit und gereinigt werden kann.
- Esbitkocher
Zum Kochen im eigentlichen Sinn ist er nicht geeignet, er macht sich aber ganz gut als Notkocher, um ein Fertiggericht warm zu machen oder eine Tasse Kaffee. Man kann ihn aber auch gut als Zweitkocher für das Warmhalten von Gerichten verwenden.
In dem kleinen Alugestell, kann man anstatt Esbit auch Brennpaste verwenden. Brennpaste hat gegenüber Esbit folgende Vorteile: bessere Heizleistung, billiger und gut dosierbar (man muss nicht immer ein ganzes Esbitstück abbrennen).
- Holzkocher
Holzkocher gibt es nicht sehr viele.
Der doppelwandige Vulkan-Wasserkessel besteht aus Aluminium und hat Innen einen Kamin. Dadurch wird die Verbrennung von Papier, Holz, etc. verstärkt. 1,4 Liter Wasser sollen in ca. 4 Minuten kochen, bei lediglich zwei Händen voll Reisig.
Der Siera Stove läßt sich ebenfalls mit Holz, Heu, Rinde, Papier, notfalls (soweit zur Hand) auch Kamelmist beheizen. Der Kocher arbeitet nach dem Schmiedefeuerprinzip. Im unteren Gehäuseteil befindet sich ein mit Batterie betriebener Lüfter und im oberen Teil ist der Brennertopf mit Windschutz plaziert. Anstatt der Batterie kann man auch ein Solarpanell verwenden. Über den Lüftungsregler kann man die Heizleistung sogar regeln. Beide Kocher kann man beim Ausrüster Woick kaufen.
Der Ursprung des Hobo-Kochers liegt 150 Jahre zurück. Er wurde von Wanderarbeitern, die Nordamerika durchstreiften erfunden. Die Hitzeentwicklung ist bei dem Kocher so groß, daß sogar feuchtes Holz verwendet werden kann. Auf dem faltbaren und robusten (rostfreier Cr-Ni Edelstahl) Kocher gibt die Schweizer Firma Künzi Creative Concepts 5 Jahre Garantie.
Großer Nachteil aller Holz-Kocher: Nicht geeignet für regenreiche Gebiete,
sonst bleibt bei naßem Holz eventuell die Küche kalt - oder man schleppt
immer einen Vorrad an trockenem Holz mit.
An der Westküste Kanadas kann es oft tagelang regnen.
- Lagerfeuer
Für vernünftiges Kochen benötigt man sehr viel Glut, schließlich will man das Essen ja nicht räuchern. Laubholz ist dafür am besten geeignet, Tannenholz kann spritzen. Völlig ungeeignet sind faule und morsche Hölzer.
Damit ein ungewolltes Ausbreiten des Lagerfeuers unterbleibt, wird eine größere Fläche Boden von trockenen Zweigen, Ästen und Laub gesäubert, anschließend wird mit Steinen die Feuerstelle "eingezäunt". Ein Lagerfeuer im Wald sollte man aber vermeiden, die Gefahr eines Waldbrandes ist einfach zu groß. Man sollte beim Lagerfeuer ebenfalls den Funkenflug nicht unterschätzen.
Klassisch wird das Feuer natürlich mit Streichholz oder Feuerzeug entzündet.
Vorsicht bei Gebrauch mit Spiritus! Nie Spiritus direkt in auf´s Feuer gießen, eine große Stichflamme ist Dir sicher. Auf gar keinen fall Benzin nehmen, das ist absolute Umweltsauerei.
Ein Kochrezept für hungrige Mäuler:
Kartoffeln in die nicht glühende Asche tun, mit Glut bedecken und sich 30-40 Minuten gedulden. Durch diese Technik spart man sich die Alufolie. Während des Kochens bzw. hier Backens? nur so viel Holz wie nötig und langsam nachlegen, da sonst evtl. unnötig Asche aufgewirbelt wird bzw. das Feuer durch das Nachlegen anfangen kann zu qualmen. Und nun nach Geschmack würzen - Mahlzeit.
Mit etwas Geschick kann sich aus Steinen oder an einen Hang auch einen kleinen Herd sehr schnell selber bauen. Lehmiger Boden ist dafür ideal, da er dem Herd den nötigen Halt gibt. Einen kleinen Rauchabzug nach oben sollte man aber nicht vergessen.
© Guido Eink