Daune, ein wichtiges und interessantes Thema:
Allgemein:
Bekleidungstechnisch auf Grund der Größe sind Daunen von Wasservögeln, die im Norden bzw. in
kaltem Klima leben interessant, also Enten und Gänse, aber keine Hühner. (Findet man trotzdem manchmal als Zusatz bei Billig-Daunen) Die normalgebräuchlichen und am häfigsten anfallenden sind heute die von ausschließlich zur Fleischproduktion gezüchteten Enten und Gänse, vom 3.Rupf (etwa nach 7 Monaten) bzw. vom 4.Rupf nachdem die Tiere geschlachtet wurden. Diese Art der Produktion gibt es vor Allem traditionell in China, aber auch in Europa, Ungarn,Polen.
Daneben gibt es aber lange, traditonelle Gänse-Zucht in Frankreich (Pyrenaen, ergo Pyrenaen-Daune),
in Polen (beste kommt aus Masuren), in Böhmen (da gab es früher getrennte Teiche fuer Fleisch- und Daunen-Produktion, sog. Federnteiche, die Tiere wurden bis zu 20 Jahre alt, fleischtechnisch unbrauchbar, daunentechnisch eine heute nicht mehr erreichte Qualität).
Je weiter Du jetzt nach Norden gehst, also Sibierien, Karelien (Süd-Finnland), und natürlich Island und Grönland, umso besser (Größer, mehr FP) wird klimabedingt die Daune.
Island/Grönland:
Hier gibt es keine Gänse, aber hier lebt und brütet die unter Naturschutz stehende Eider-Ente.
Lateinisch : Somateria Molissima = die mit dem molligsten Koerper.
Besonderheit:
Die Eiderente zupft sich aus dem Brustgefieder Daunen zum Nestbau.
Bei den dortigen Windverhältnissen muß das Nest sicher vor Verblasung sein.
Die Ente bzw. ihre Daunen sind dem angepaßt und unterscheiden sich grundsätzlich von allen anderen dadurch dass die feinen Härchen am Ende gekruümmt sind und hakenähnlichen Aufbau besitzen.
Zudem setzt das Tier beim Nestbau noch ein Sekret zu, das diesen Effekt unterstützt.
Daher das eher "Endlos-Watte"-Verhalten wenn Du sie anfaßt und ziehst.
Nach Brutende werden die Nester der unter Naturschutz stehenden Tiere gesammelt und nur grob gereinigt um den Hafteffekt nicht zu zerstoören.
Da diese Daune wesentlich größer ist (300.000 pro Kilo, normale Daune 500.000 pro Kilo) erreicht sie fast doppelt so grosse FP-Werte wie beste Gnsedaune.
Eine komplette Bettdecke kommt mit 600 g aus!
Und die Füllung kann nicht verrutschen.
Früher schon wurde sie für Expeditions-Ausrüstung verwendet, aber auch einige Inuit verwenden sie statt Eisbär oder Rentier-Fell-Bekleidung.
Karelische, sibirische, kanadische...
Karelien und gemäßigtes Sibirien (und auch teilweise Kanada) stellen die nördliche Grenze fuer Gänse-Zucht dar. (Nicht verwechseln mit Wildgänsen, also Zugvögeln.
Daunen von solchen Gänsen ähneln auf Grund der nördlicheren Lagen in ihrem Verhalten eher der Eider-Daune, aber Du findest da keine industrielle Massenzucht, dementsprechend gering ist das Jahresaufkommen.
Wenn Du Dir die Preise für Daunen-Jacken und Westen anschaust ist klar, dass da in aller Regel keine hochwertige Ware dieser Art zum Einsatz kommt.
Die Kilopreise der Daunen-Massen-Ware liegt bei max. 300,- DM pro Kilo, bei 80/20er Ware.
Bei Billig-Daunenprodukten meist wesentlich darunter, bei China-Qualitaet 60/40, von Schlacht-Enten, zum Beispiel.
Karelische kostet zur Zeit etwa 500,- DM, Sibirische ca. 750,- DM, Endverbraucher-Preise.
Massenzucht wird mit Herdengrößen von 15.000 und mehr betrieben, in China zum Teil auf großen Flüssen.
Die Edel-Daune aus den Pyrenaen, Karelien und Sibirien bzw. Polen (Masuren) stammt von kleineren Betrieben mit entsprechend langer Tradition und sowohl exzellenter Kenntnis über optimalen Rupfzeitpunkt als auch mit der entsprechenden handwerklichen Fähigkeit beim Rupfen.
Das macht den Preis aus:
Um die Jahrhundert-Wende und noch vor 50/60 Jahren waren die Wiener Tageszeitungen voll mit Inseraten für die begehrte Böhmische Daune, für Bettdecken und Kissen der besseren Gesellschaft.
Eine Anmerkung noch:
Firmen wie z. B. Yeti (aber auch andere) werben auf ihrer Webseite wie wichtig es ihnen ist, daß die Tiere nicht auschließlich zur Daunengewinnung gehalten werden, sondern Daune ein natürliches Abfallprodukt sein soll. Eine bessere Umschreibung von Massenzucht zur Fleischproduktion habe ich bis heute noch nicht gelesen.
Wäscht man frische Daune zu sehr aus, verliert sie jeglichen
Restfettanteil, der Loft wird meßtechnisch größer, die Langzeitstabilität
allerdings nimmt ab.
Außerdem muß man dann chem. Fette zusetzen (Aversin, Nocar) damit ein
Minimal-Schutz vorhanden ist. Das macht man aus hygienischen Gründen bei
Krankenhaus-Bettdecken, ist aber bei Daunen für den Individualgebrauch
unnötig.
Vor der Sortierung der Daunen werden sie bei 120 Grad "geroestet", also
bakteriell keimfrei gemacht.
Der natürliche Restfettgehalt kommt der Elastizität und dem
natürlichen Feuchtigkeits-Schutz zugute.
Einfache (billige) Daune wird oft für Krankenhausbetten aus hygienischen Gründen bei häufig wechselnden Benutzern genommen.
Daune kominiert Gewicht und Wärmeleistung in idealer Form. Bislang konnte unter diesen Aspekten noch keine Kunstfaser mithalten. Es ist mir schon wichtig, Dich für dieses Thema ein wenig zu sensibilisieren.
Weitere Infos von der Firma Gärtner, siehe auch beim Daunenmischungsverhältnis.
© Guido Eink