4 Die Zukunft des dualen Systems
Möchte das duale System auch in der Zukunft bestand haben, so ist es notwendig,
daß das System eine Reihe von Problemen löst. Aus diesem Grund möchte ich,
bevor ich auf meinen Schwerpunkt benachteiligte Jugendliche eingehe, kurz
weitere zentrale Probleme des dualen Systems erläutern, die ich im
darauffolgenden Abschnitt nicht behandeln werde
Der Ausbildungsabschluß wird
immer weniger zum “Abschluß” (Abschied vom Lebensberuf). Heute gibt
es aufgrund der immer schneller fortschreitenden Technologisierung ein lebenslanges Lernen. Die in der
Weiterbildung erworbenen Titel gewinnen als Element der betrieblichen
Statuszuweisung an Bedeutung, während die Berufsausbildung dementsprechend an
Bedeutung verliert. Deshalb ist es notwendig, die Ausbildungsordnungen
flexibler zu ändern, um diese den jeweiligen Begebenheiten anzupassen. Zur Zeit dauert die Änderung eines Berufsbildes 12 Monate
und die Schaffung neuer Berufsbilder 24 Monate.
Es gibt einen Wandel der Facharbeit, der zu einer Erosion des dualen
Systems führen kann. Heute wird weniger mit der konventionellen Maschine
gearbeitet, sondern an der Maschine (entwickeln, warten, reparieren). Zentral
für die Zukunft wird somit das Erlernen von Schlüsselqualifikationen sein.
Erfolg hat somit, nach der Bildungsministerin Buhlmann, “...wer über
Sozialwissen und Methoden verfügt”. Als Beispiel hierfür, kann der
Informatikbereich dienen, in dem fast ausschließlich Wissen verlangt wird, das
keine Lehre vor 5 Jahren vermitteln konnte, da die Technik den heutigen stand
damals noch nicht annähernd erreicht hatte.
Durch den Schritt zum EG-Binnenmarkt, wird das duale Ausbildungssystem
ein System neben anderen, womit auch der Facharbeiterstatus relativiert wird.
So gibt es in Frankreich, Schweden und Italien ein Schulmodell (die alleinige
Verantwortung für die Ausbildung trägt der Staat), mit einer stark
pädagogischen Ausbildung und geringer Bedeutung der Betriebe. In Großbritannien
hingegen existiert ein Marktmodell (Marginale Rolle es Staates) ohne geregelte
Berufsausbildungssysteme und ohne geregelte Verknüpfung zum allgemeinen
Bildungswesen. So sind in Großbritannien die Ausbildungsträger (Betriebe und
Kommunen) und Auszubildenden frei vom staatlichen Einfluß.
Außerdem gibt es Probleme bei der Abstimmung zwischen Berufsschule und
Betrieben. Dies liegt auch an der Tatsache, daß der Bund für die betriebliche
Ausbildung verantwortlich ist, während die Länder aufgrund der Kulturhoheit die
Verantwortung für die Berufsschule tragen. Ferner sind Bildungssysteme
langfristig angelegt, während Beschäftigungssysteme kurzfristig angelegt sind. Diese Tatsache ist
mit Schuld an der zunehmenden Abbrecherquote. Auszubildende, die ihre
Ausbildung nicht beenden, machen inzwischen etwa 25 % eines Jahrganges aus.
Allerdings ist auch festzustellen, daß der durchschnittliche Auszubildende
aufgrund der höheren Bildungsanforderungen immer Älter wird und es sich somit
um junge Erwachsene handelt und diese deutlich höhere
Ansprüche an die Ausbildungsstelle stellen und eher dazu geneigt sind nicht
alles hinzunehmen.
Weiter mir: Die
Situation der benachteiligte Jugendlichen im dualen System