Die Liegeradseite

So, hier gibts nun knallharte Infos rund ums Liegerad:

Wie wohl die meisten von euch schon wissen habe ich mir dieses Gebiet schon vor einigen Jahren angeeignet. Das spezielle Aussehen, der große Vorteil der besseren Aerodynamik im Vergleich zum Normalrad und die damit verbundene Möglichkeit mit gleicher Kraft höhere Geschwindigkeiten zu fahren faszinierte mich sofort.
Da mir aber stets das Geld zum Kauf eines solchen Gefährts fehlte, und ich auch niemanden kannte, der ein solches Rad besaß, blieben es für lange Zeit nur Träumereien an Bildern in Fahrradbüchern.
Als ich jedoch an ein Buch über Liegeräder der Reihe "Einfälle statt Abfälle" kam, erschien es plötzlich möglich, sich so ein Rad selbst zu bauen. Bis zur Verwirklichung dauert es zwar noch, doch mit Hilfe beim Schweißen war es letztendlich doch möglich ein "Chopperrad" zu bauen, und es fuhr wirklich nicht schlecht. Der alte Sitz eines Schulstuhls war zwar etwas hart, aber etwas abgepolstert war dieses Rad schon das Größte.
Nur etwa ein Jahr später folgte dann das nächste Rad, mit dem Anspruch, schon etwas "richtiges", also eine gute Alternative zu jedem Normalrad zu sein. Diesem Anspruch wird es meiner Meinung nach noch bis heute gerecht. Es wurde eine dem US-amerikanischen Modell "Tour Easy" ähnelnde Form, deren Fehler eigentlich nur ist, daß sie etwas schwer ist.
Liegerradtouren:
Ha! Wer hier eine Riesenauswahl an Fahrten erwartet, der wird hier zweifellos von meiner Fitness enttäuscht werden. Denn die einzige echte Tour wäre nur die jetzt gerade erst in Estland mit Hinfahrt per Bus. War trotz allem sehr gut und ist auf jeden Fall weiterzuempfehlen.
Darum hier der Bericht!
Die Kieler Liegeradszene:
In Kiel hat sich gerade in den letzten Jahren eine Liegeradgruppe gebildet, in der Gleichgesinnte in Begeisterung für die ökonomischste Fortbewegungsart, also meist Liegeradfahrer, zusammentreffen, um Neuerungen und Erfahrungen auszutauschen. Ein Treffpunkt ist das Seehundbecken an der Kieler Promenade "Kiellinie" jeden Sonntag um 11 Uhr, von dem aus bei gutem Wetter ein ganzer Konvoi von "Tiefradlern"  auf Tour durch Kiel und Umland startet. Darüberhinaus gibt es den Liegeradstammtisch im "Zauberlehrling" in der Lutherstraße, der zusammen mit dem ADFC-Schleswig-Holstein am Dienstagabend zusammenkommt.
Ich persönlich hatte bisher leider noch nicht viel Zeit, dort mitzumischen, da mir leider immer durch andere Beschäftigungen zu den Terminen die Zeit fehlt.


Neue Projekte:

Tja nun ist es ja schon echt lange her, daß mein Liegerad vollendet wurde. Auch wenn da immer noch Dinge zu reparieren oder nachzubessern sind, kann dies doch nur eine Stagnation sein, was atürlich eigentlich nicht sein darf. Deshalb war ich auch gleich sehr  von der Initiative meines Kommilitonen Arnebe geistert, einen Carbonlieger zu bauen, so ein suupertiefes und leichtes Gefährt, mit dem man sicher richtig auf Touren kommt. Nachdem ich früher immer dachte, dieses Material sei ohne spezielle Anlagen quasi nicht zu bearbeiten, so hat mir doch zumindest die Seite von Ötzden Terli aus Berlin doch dahingehend Mut gemacht, daß es durchaus sogar einfacher sein kann als jedes Teil eigens zurechtzufeilen und zu verschweißen.
Die Anfangsidee kommt von einem anderen Kieler Liegeradfreund, sogar auch ein Physiker (na wer hätte das gedacht), der sich den Prototypen der Kreuzotter-Carbon als Vorbild für einen Bau genommen hat. Ein sehr großes Vorhaben, aber es begeistert.

Zur Seite mit den vorläufigen Fortschritten geht's hier lang:

Hier noch die nötigen Links:


 

Bücher und andere Infos:

So wie das Liegerad leider nicht sehr weit verbreitet ist, so gibt es auch nicht allzu viel Literatur über dieses Fortbewegungsmittel. Dafür sind die paar vorhandenen Bücher sehr umfassend: Diese Angaben entsprechen bestimmt (noch) nicht dem ganzen Markt an guter Literatur zum Liegerad, es lohnt sich bestimmt, auch durch die Liegeradlinks weiter zu suchen


Zur Geschichte des Liegerads:

Hier zunächst ein "geklauter Artikel, der schon sehr viel weiterhilft, was die Vergangenheit des Liegers angeht:
Liegerad: bequem und schnell

Sie sind seltene Exoten im Straßenbild, denen man nachblickt. Dabei sind Liegeräder dem Normalrad in manchen
Belangen überlegen - von der entspannten Sitzhaltung bis zur besseren Aerodynamik

Seit vor mehr als hundert Jahren die Zeit des Hochrades zu Ende ging, hat sich weltweit der uns allen in Form von
Waffenrädern, Hollandrädern oder Mountain-Bikes wohlbekannte Fahrradtyp durchgesetzt. Auch die sogenannten Liegerädern wurden nach einer kurzen Blüte um 1930 von dem unter Liegeradfahrern als "Upright" bezeichneten Fahrradtyp weitgehend verdrängt und erleben erst seit den siebziger Jahren wieder eine Renaissance.

Wer immer den für aufrechte Radfahrer schon von jeher beleidigende Kalauer "nach oben buckeln, nach unten treten" geprägt hat, kann dabei nicht an ein Liegerad gedacht haben, sonst müßte der Satz "nach vorne schauen, nach vorne treten" heißen, was sicherlich eine Menge schlechter Radfahrer-Witze verhindert hätte. Ein in der Regel bequemer Sitz, der eine entweder aufrechte oder nach hinten geneigte, "liegende" Position ermöglicht sowie ein vor dem Sitz angebrachtes Tretlager sind allerdings auch schon die einzigen gemeinsamen Merkmale des Bestiariums, das mit dem Begriff "Liegeräder" bezeichnet wird: da gibt es wendige Flitzer, die eine entspannte, schnelle Fahrweise in der Stadt ermöglichen und auch das gelegentliche Überfahren eines Randsteines nicht übelnehmen, etwas behäbigere, aber bequeme Reiseräder, aerodynamische Rennfahrzeuge, mit denen schon
durchschnittliche Rennfahrer den aktuellen Rennrad-Stundenweltrekord deutlich übetreffen können, vollverkleidete Dreiräder, die den Fahrer auch in Wind und Wetter innen trocken und warm bleiben lassen und vierrädrige Lastenfahrzeuge, die mit weniger als 20kg Eigengewicht ein zehnfaches davon an Nutzlast transportieren.

Das Liegeräder auch heute, wo sie sich nach langen Jahren in der Vergessenheit wieder zu verbreiten beginnen, noch etwas exotisch anmuten, liegt also offensichtlich weniger an ihren heutigen oder gar zukünftigen Möglichkeiten, sondern eher an fehlender oder falscher Information. Jedem Liegeradfahrer ist die mit einem zweifelnden Unterton gestellte Frage geläufig, ob denn sein Gefährt auch bergauf zu fahren sei. Das es selbstverständlich möglich ist und daß man, vor allem als Besitzer eines leichten Kurzliegerades, auch nicht langsamer ist als mit einem "normalen" Rad, wird dann meistens mit leichtem Zweifeln zur Kenntnis genommen. Meistens überzeugt dann erst eine Probefahrt von den Qualitäten des Fahrzeugs, und schon so mancher
Zweifler ist bei entsprechender mentaler Vorbereitung und passender Rahmenlänge - von Rahmenhöhe spricht man bei Liegerädern normalerweise nicht - auf diese Art zum begeisterten Liegeradler geworden.

Noch ein weiterer Grund muß für die geringe Verbreitung von Liegerädern genannt werden: sie sind teuer. Sie werden noch nicht von fernöstlichen Fertigungsrobotern geschweißt und keine große Werbeagentur kümmert sich darum, sie den radfahrenden Massen schmackhaft zu machen. Die aus den kleinen Stückzahlen - bei einem Großteil der Hersteller um die 100 Stück im Jahr - resultierenden hohen Fertigungskosten führen dazu, daß ein Liegerad in der Regel etwa doppelt soviel kostet wie ein ähnlich ausgestattetes "Upright", wobei die Untergrenze im EU-Mitteleuropa derzeit bei etwa 12.000 Schilling liegt.

Welche Leute sind es also, die Liegeräder fahren? Die meisten Liegeräder werden im Alltagsverkehr eingesetzt wird, sehr oft von Menschen, die sie als Ersatz für ein Auto verwenden. Dann gibt es natürlich noch die immer größer werdende Gruppe von Reiseradlern, die das Liegerad als bequemere Alternative auf langen Strecken entdecken, und auch die sportlichen Fahrer die das rasche lautlose Dahingleiten auf einem schnellen Kurzlieger der zwar auch effizienten, aber weit unbequemeren Rennradler-Haltung vorziehen.

Das größte, im Moment aber noch weitgehend brachliegende Potential haben Liegeräder aber trotz aller beeindruckenden Geschwindigkeits-Rekorde - so liegt der Stunden-Weltrekord für Liegeräder derzeit bei 77 km/h, verglichen mit dem 55 km/h auf einem "Upright" - im Bereich der Alltagsräder. Die weitaus bequemere Sitzposition und mannigfaltige, im Gegensatz zum Diamantrahmen lange noch nicht ausgeschöpfte Konstruktionsmöglichkeiten lassen hoffen, daß hier in den nächsten Jahren noch weit mehr Alternativen zum Auto angeboten werden, als es heute schon gibt. Nicht zuletzt ist es bei Liegerädern wesentlich
einfacher, Verkleidungen anzubringen, die sowohl dem Wetterschutz als auch der Aerodynamik dienen. Leider gibt es gerade hier noch viel zu tun, obwohl bereits seit einigen Jahren praxistaugliche Alltags-Fahrräder - wegen der Seitenwindempfindlichkeit von Zweirädern durchwegs drei- oder vierrädrige Gefährte - angeboten werden. Bei den vielen "High-Tech"-Problemen, die es dabei zu lösen gibt, wundert es nicht, daß viele Liegerad-Konstrukteure ihre Lehrjahre in der Flugzeugindustrie verbracht haben.

Der vorliegende Artikel konnte aus Platzgründen leider nur einen kurzen und ungenauen Überblick über die spannende Entwicklung im Liegerad-Bereich bieten. Daher folgen hier eine Liste mit zusätzlichen Informationsquellen:

Das Standardwerk zum Thema Liegeräder ist sicherlich: Gunnar Fehlau: Das Liegerad; Moby-Dick Verlag

Das Buch gibt einen guten überblick über alle wichtigen Aspekte des Liegeradfahrens bis hin zum Selbstbau und darf wohl in keiner Bibliothek fehlen.

Informationen über in Serie hergestellte und demnach käufliche Liegeräder ist ebenfalls aus einer Reihe von Quellen zubeziehen. Aus Deutschland, herausgegeben von der Liegerad-Datei (Andreas Pooch, Heidestraße 8 D-53840 Troisdorf), stammt das "Liegerad-Herstellerheft", das ca. 40 verschiedene Liegeräder kurz und mit schwarzweißen Abbildungen vorstellt. Über die Liegerad-Datei können auch Informationen zum HPV e.V. Deutschland angefordert werden. Wesentlich bunter geht's in der "Encycleopedia" zu, herausgegeben vom Open Road in York, England. Dort gibt's nicht nur Liegeräder, dafür aber ausführliche Texte und wunderschöne Farbphotos. Beide Publikationen sind in österreich über das B.I.E.R. Fahrrad-Studio, Jägerhausgasse 12, 2500 Baden, Tel. & Fax 02252/47 690, E-Mail
     ambrosch@eunet.at, erhältlich.

Die Zeitschrift "Pro Velo" enthält ebenfalls in jeder Ausgabe eine Menge Liegerad-Informationen. Sie ist nicht im normalen Zeitschriftenhandel, sondern unter der Verlags-Adresse Pro Velo, Riethweg 3, D-29227 Celle, Tel 0049-5141-86110, Fax 0049-5141-84783, erhältlich.

Demnächst erscheint auch eine HPV-CDROM mit hunderten von HPV-Photos und anderen Informationen. Sie ist erhältlich beim Herausgeber Oliver Zechlin, Rudolf-Breitscheid-Straße 10, D-90547 Stein, E-Mail oz@oz.msn.sub.org.

Aus den USA stammt die Zeitschrift "Recumbent Cyclist News", die einmal im Jahr einen "Buyers-Guide" herausgibt, der wohl die derzeit umfassendste Zusammenstellung von Liegerädern aus aller Welt ist (obwohl einige europäische Modelle fehlen). Der "Buyers Guide" ist erhältlich bei RCN, POB 58755, Renton, WA 98058, Tel. 001-206-630-7200, Fax 001-206-631-5728, E-Mail DrRecumbnt@aol.com (Wer nicht direkt bestellen will, kann sich ebenfalls an das B.I.E.R. Fahrrad-Studio wenden).

Die wichtigste Adresse für alle Internet-Surfer, die an Liegerädern interessiert sind, ist der Server der international Human Powered Vehicles Association (IHPVA), ereichbar unter der URL http://www.ihpva.org/ihpva.

In Radfahrer-Bundesland Vorarlberg formiert sich gerade ein HPV-Club Vorarlberg, der inzwischen auch schon Mitglieder im restlichen Österreich hat. Interessenten wenden sich an den Kassier Erich Burschowsky, Konstanzerstr. 14, A-6844 Altach.

Ein weiterer HPV-Verein mit Mitgliedern in Österreich ist Future Bike Schweiz, Spitzackerstraße 9, CH-4410 Liestal, E-Mail hoelzle@dial.eunet.ch.
 

Autor: Wolfgang Ambrosch, ambrosch@eunet.at

Erschienen in der VCÖ-Zeitung, 2/1996, Seite 3, Redaktion Christian Höller, E-Mail hoeller@atnet.at
 


Weiter Links für alle Interressierten:

Hier noch einige Links, die einem möglichst viel weiterhelfen sollten. Da ich bestimmt einige  wichtige Verbindungen nicht dabeihabe, benachrichtige mich doch kurz, was da fehlt.