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rockmesse live
Am Anfang war das Wort




Einleitung:


Die Band "Rockmesse live" ist 14 Jahre alt. In diesem Alter gehen viele Katholiken zur Firmung und beschäftigen sich auf's neue mit dem Glauben an Gott, Jesus Christus und natürlich mit dem Leben des Glaubens und mit der Feier der Heiligen Messe. Daher hat diese Rockmesse die Messe an sich als Thema. Am Anfang war das Wort - die ersten Verse des Johannes-Evangeliums weisen auf die Geschichte des Glaubens hin, auf den großen Zusammenhang und die Wichtigkeit des gesprochenen und geschriebenen Wortes im Glauben. Das Wort im Gottesdienst - verstehen wir es? Oder sagen wir auch schon mal nur aus Gewohnheit "Ja und Amen" oder "und mit deinem Geiste". Wie ist der heute bekannte und täglich praktizierte Gottesdienstablauf entstanden? Wir versuchen, einige Anregungen zu geben, wie die Funktion der Gottesdienstbestandteile heute anders formuliert und in unseren heutigen Alltag übertragen werde könnte.



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Lesung:

"Im tunesischen Straßencafé"

Cellesche Zeitung vom 06.12.97 "Das Wort zum Sonntag" von Pastor Andreas Flick

Bitte stellen Sie sich einmal folgendes vor: Sie sind der tristen Jahreszeit vor Weihnachten entflohen und haben einen Urlaub nach Nordafrika gebucht. Sie sitzen in einem gemütlichen Straßencafé in Tunesien. Dort kommen Sie mit einem Einheimischen ins Gespräch, der gut deutsch spricht. Irgendwann dreht sich Ihre Unterhaltung auch um das Thema Glaube. Der Tunesier berichtet von der heiligen Schrift der Mohammedaner, dem Koran. Er erzählt von seinem Glauben an den Gott Allah und von Mohammed, seinem Propheten. In knappen Worten schildert er gestenreich die Grundzüge seines Glaubens. Während Sie Ihren Mokka trinken, lauschen Sie mit Interesse den Worten des Tunesiers. Doch dann passiert etwas, auf das Sie nicht vorbereitet sind. Ihr islamischer Gesprächspartner fragt Sie, ob Sie ein Christ seien und ob Sie in Ihrer Familie auch Weihnachten feiern. Nachdem Sie die Fragen bejaht haben, stellt er weitere Fragen. Er will etwas über die Bibel wissen, dem christlichen Gegenstück zum Koran. Er will wissen, was darin steht, wer die Bibel geschrieben hat und wie alt das Buch sei. Auch will er wissen, was das Wort Bibel eigentlich bedeutet. Sie schlucken; mit diesen Fragen haben Sie nicht gerechnet - schon gar nicht im Urlaub. Und plötzlich merken Sie, daß es Ihnen sehr schwer fällt, diese - eigentlich doch recht einfachen - Fragen zu beantworten. Nachdem Sie sich einigermaßen mit Antworten aus der Affäre gezogen haben, stellt der Tunesier weitere Fragen zu Ihrem christlichen Glauben. Auch will er genaueres über Jesus Christus erfahren, dessen Geburt wir zu Weihnachten feiern. Er fragt, was denn das Wort Christus bedeutet, ob das der Nachname von Jesus sei. Langsam wird Ihnen jedoch das Gespräch unangenehm. Denn Sie stellen fest, daß es Ihnen immer schwerer fällt, wenn nicht sogar unmöglich erscheint, so präzise über Ihren christlichen Glauben zu berichten, wie es der Tunesier über seinen islamischen Glauben vermag. Mit großer Mühe gelingt es Ihnen, das Leben Jesu zu schildern. Passen müssen Sie auf die Frage, wann und wie denn die Kirche entstanden sei. Nicht recht beantworten können Sie auch die Frage, ob denn die Christen wirklich an drei Götter glauben würden, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Inzwischen haben sich Schweißperlen auf Ihrer Stirn gebildet. Mehr als dankbar sind Sie, als plötzlich ein guter Bekannter auftaucht, um Sie zum Strand abzuholen. Das Gespräch wird unterbrochen. Sie zahlen und verabschieden sich von Ihrem tunesischen Gesprächspartner. Im tiefsten Inneren sind Sie dankbar, daß Ihnen nun keine weiteren Fragen mehr zu Ihrem christlichen Glauben gestellt werden.



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Kirche im Konzil

Meßreform heute:

Hans Küng: Kirche im Konzil, Herder, Freiburg im Breisgau 1963, S. 83

Um nichts anderes kann es in der Messe der katholischen Kirche letztlich gehen als um ein gehorsames Vollziehen jenes Herrenwortes: "Tut dies zu meinem Gedächtnis!" Tut dies - nicht irgend etwas, mag es auch noch so schön, noch so feierlich, noch so altgewohnt sein! Ist aber dies, was unser Herr fordert, im Laufe der Jahrhunderte nicht sehr verdeckt worden? Hat man nicht - halb im Scherz, halb im Ernst - gesagt, selbst der Apostel Paulus hätte, wenn er zufällig in ein durchschnittliches katholisches Hochamt käme, sehr große Mühe, ohne Erklärung zu begreifen, daß es hier um eine Ausführung des Herrenwortes "Tut dies zu meinem Gedächtnis!" gehe?


Die Hausmesse des 2. Jahrhunderts:

Hans Küng: Kirche im Konzil, S. 85 f.

. . . Die Messe hat im Grunde eine ganz einfache, leichtverständliche Grundstruktur; sie besteht aus einem Dankgebet, (mit dem erinnernden und vergegenwärtigenden Einsetzungsberichts des Abendmahles) und dem Mahl . . . Die ganz Form der Meßfeier war sehr locker und nur in wesentlichen Umrisse festgelegt . . . Sprache war die Volkssprache von damals . . . Wer beim Mahl anwesend war, kommunizierte auch, unter den Gestalten von Brot und Wein.


Die Basilikalmesse des 5./6. Jahrhunderts:

Hans Küng: Kirche im Konzil, S. 87

. . . Eine Menge komplizierter Zeremonien, besonders im feierlichen Hochamt, die den mehr auf Einfachheit und Schlichtheit ausgehenden heutigen Menschen oft stören und vom Eigentlichen ablenken, stammen nachweislich aus dem römisch-byzantinischen Hofzeremoniell und können also nicht zum unveränderlichen Wesen der Messe gerechnet werden.


Die Messe des Hochmittelalters:

Hans Küng: Kirche im Konzil, S. 88

Weil man die Messe nicht mehr hören und verstehen kann, deutet man sie für das Volk allegorisch um: man betrachtet sie als ein Drama des Lebens Jesu, als ein Schauspiel; der ursprüngliche Sinn der Dankfeier und der Gedächtnisfeier des Abendmahles wird vielfach verkannt . . . In dieser Zeit tut sich eine Kluft zwischen Altar und Volk auf . . . In dieser Zeit wird die Kommunion ein besonderer Ritus.


Die Messe der tridentinischen Reform (1570):

Hans Küng: Kirche im Konzil, S. 88 f.

. . . Unterdessen hat sich in Europa in aller Stille das vollzogen, was man den Exodus, den Auszug aus der Sonntagsmesse genannt hat. In verschiedensten Ländern Europas konstatiert man mit Schrecken, welch kleiner Teil der Gläubigen die Sonntagsmesse regelmäßig besucht. Das hat natürlich schwerste Auswirkungen auf das gesamte religiöse Leben des Volkes. Daran ist nun allerdings nicht nur die Form der Messe schuld, aber sie ist auch daran schuld.



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Gloria:

Heinrich Albertz: Misere nobis, Kindler Verlag, München, 1987, S. 45 f.

Gloria
Gloria in excelsis Deo et
in terra pax hominibus
bonae voluntatis.

Ehre sei Gott in der Höhe und
Friede auf Erden und
den Menschen ein Wohlgefallen.

Das singen die Engel. Kein Mensch hat so gesungen in der alten Weihnachtsgeschichte, die das Unbeschreibliche zu beschreiben versucht. Glanz, unfaßbarer Glanz, blendend über den Feldern, den zu Tode erschrockenen Hirten, den blökenden Schafen. In jedem Gottesdienst singen es nun Menschen, im strengen, jahrhundertealten Ablauf der Liturgie nach dem "Herr erbarme dich". Sehr schnell geht das. Fast zu schnell, eine Minute, länger nicht: Gloria. Gloria. (Gloria Victoria?) Hell wird es plötzlich in der Finsternis . Fast zu hell. Ehre, Ruhm dem Namenlosen, Friede hier, hier auf Erden, Wohlgefallen, wie immer man das griechische Wort eudokia übersetzen mag. Haben die Engel griechisch gesungen? Die Hirten hätten sie nicht verstanden. Die Deutschen heute nur in einer verschwindenden Minderheit. Also: "Wohlgefallen". So hat es Luther übersetzt. Die anderen Schlüsselwörter sind eindeutig: Ehre, Höhe, Frieden, Erde.



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Kleines Konzilskompendium

Regeln aus dem belehrenden und seelsorglichen Charakter der Liturgie

Rahner, Vorgrimler: Kleines Konzilskompendium, Herder, Freiburg im Breisgau, 1966, 18. Auflage 1985, S. 63

34. Die Riten mögen den Glanz edler Einfachheit an sich tragen und knapp, durchschaubar und frei von unnötigen Wiederholungen sein. Sie seien der Fassungskraft der Gläubigen angepaßt und sollen im allgemeinen nicht vieler Erklärungen bedürfen.

Die Kirchenmusik

Rahner, Vorgrimler: Kleines Konzilskompendium, S. 84 ff.

112. Die überlieferte Musik der Gesamtkirche stellt einen Reichtum von unschätzbarem Wert dar, ausgezeichnet unter allen übrigen künstlerischen Ausdrucksformen vor allem deshalb, weil sie als der mit dem Wort verbundene gottesdienstliche Gesang einen notwendigen und integrierenden Bestandteil der feierlichen Liturgie ausmacht. . . . Dabei billigt die Kirche alle Formen wahrer Kunst, welche die erforderlichen Eigenschaften besitzen, und läßt sie zur Liturgie zu.
119. Da die Völker mancher Länder, besonders in der Mission, eine eigene Musiküberlieferung besitzen, die in ihrem religiösen und sozialen Leben große Bedeutung hat, soll dieser Musik gebührende Wertschätzung entgegengebracht und angemessener Raum gewährt werden, und zwar sowohl bei der Formung des religiösen Sinnes dieser Völker als auch bei der Anpassung der Liturgie an ihre Eigenart, im Sinne von Art. 39 und 40.
121. . . . Die für den Kirchengesang bestimmten Texte müssen mit der katholischen Lehre übereinstimmen; sie sollen vornehmlich aus der Heiligen Schrift und den liturgischen Quellen geschöpft werden.



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