Kostbarkeit der Seychellen

Obwohl die Meereskokosnuß - die Coco de Mer - nur auf den Seychellen heimisch ist, genauer gesagt auf den Inseln Praslin und Curieuse, waren ihre Früchte bereits lange vor der Entdeckung dieser Inseln bekannt. Schon in den frühen Jahrhunderten wurden die ungemein großen und eigenartig geformten Nüsse an die Küsten Indiens, Südafrikas und der Malediven angespült und da es allem Anschein nach in keinem Teil der (bekannten) Welt Palmen gab, die solche Früchte trugen, konnte es nur eine Erklärung für ihre Herkunft geben: sie mußten auf dem Meer entstehen.

Aufgrund ihrer Einzigartigkeit wurden die Meereskokosnüsse schnell zu begehrten Kostbarkeiten der Reichen und Mächtigen. Sie wurden Königen als Gastgeschenk überreicht, in Japan galt die Frucht als heilig und der Sultan der Malediven gab sogar den Befehl, daß alle an den Küsten gefundenen Nüsse an ihn zu übergeben seien. Bei Zuwiderhandlungen gegen diesen Befehl drohte die Todesstrafe, oder es wurden dem Schuldigen, wenn der Sultan entsprechend gnädig war, nur beide Hände abgehackt.

Die Zeiten haben sich zwar glücklicherweise geändert, aber die Faszination, mit der man der Meereskokosnuß begegnet, ist geblieben, denn die Palme selbst ist nicht weniger kurios als ihre Früchte.

Es gibt männliche und weibliche Pflanzen, die meist nebeneinander stehen und sehr einfach auseinander zu halten sind, da die Frucht des weiblichen Baumes einem weiblichen Becken gleicht, während sich die Pollen der männlichen Pflanze in einem langen Organ befinden, das frappierende Ähnlichkeit mit einem Phallus hat. Noch heute hält sich hartnäckig die Legende, daß sich die männlichen Pflanzen in Vollmondnächten zu den weiblichen hinüber beugen, um die Früchte zu bestäuben - gesehen hat dies jedoch noch niemand.

Die Palmen erreichen eine Höhe von 30 Metern und schon die Blätter junger Pflanzen sind bis zu 14 Metern lang. Erst nach 25 Jahren tragen die Bäume das erste mal Früchte, die sieben Jahre brauchen, um zu reifen, wobei sie das stattliche Gewicht von bis zu 20 Kilogramm erreichen. Fallen die reifen Früchte vom Baum, so vergehen mehrere Monate, bis ein zarter Sproß erscheint, der am Boden entlang aus dem Schatten der Mutterpflanze wächst, bis er Licht und weiche Erde erreicht. Erst dann bohrt er sich in den Boden, um Wurzeln zu bilden und anschließend wieder an die Oberfläche zu treten, wobei es nicht selten vorkommt, daß bis zu diesem Zeitpunkt 12 Monate vergangen sind und der Sproß eine Strecke von bis zu 4 Metern zurückgelegt hat.

Seit 1978 steht die Meereskokosnuß unter strengem Naturschutz und der Coco de Mer Palmenwald im Valée de Mai auf Praslin wurde von der UNESCO in die Liste schützenswerter Natur- und Kulturdenkmäler aufgenommen. In dieser einzigartigen Urwaldlandschaft, in der nur selten ein Lichtstrahl bis zum Boden dringt, befindet sich auch die älteste Coco de Mer Palme, deren Alter man auf über 800 Jahren schätzt.

Wenn die Meereskokosnuß heute auch nicht mehr unter Königen gehandelt wird, so hat sie doch immer noch ihren Preis, und wer daran denkt, eine der Früchte als Souvenir mit nach Hause zu nehmen, der kann diese an offiziellen Stellen für einen Preis von 200 bis 300 DM kaufen. Freies Pflücken und Sammeln der Früchte ist verboten, und es dürfte sicherlich niemandem schwer fallen, diesen Beitrag zum Schutz jener einmaligen Palmenart zu leisten, auch wenn man heute nicht mehr fürchten muß, daß einem aufgrund der Coco de Mer die Hände abgehackt werden.