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Nachdem Lenny
Wolf im Jahre 1988 bei Derek Shulman von Polygram Records in New York
einen Vertrag unterschrieben hatte, wurden er und sein Manager Marty
Wolff (weder verwandt noch verschwägert) gebeten, eine neue Band
zusammenzustellen. Die Musiker, die sie für die neue Formation auswählten,
waren: James Kottak am Schlagzeug, Danny Stag an der Leadgitarre, Rick
Steier an der Rhythmusgitarre und Johnny B. Frank am Bass. (für weitere
Informationen siehe "Lenny Wolf Biographie").
Ein besonders wichtiges Ereignis war der Moment, als Lenny mit Bob Rock
bekanntgemacht wurde, der für seine Arbeiten u.a. mit Bon Jovi,
Aerosmith, Loverboy und Metallica berühmt ist. "Die Zusammenarbeit
mit Bob war eine der positivsten Erfahrungen, die ich während meiner
Karriere machen durfte. Da Bob selbst Musiker ist, weiß er einfach am
besten, wie man aus einer Band das Optimum herausholt.. Wir hatten die
gleichen Vorstellungen, wie der Sound sein sollte. Und auch die
Tatsache, dass wir in einem großartigen Studio (´Little Mountain` in
Vancouver, Kanada) arbeiten konnten, war sicherlich einer der Gründe für
den großen Erfolg der ersten Scheibe", erklärt Lenny.
Nach Beendigung der Arbeiten am Album flogen Bob und Lenny nach New
York, um das Album im ´Electric Ladyland Studio`, das früher einmal
Jimmy Hendrix gehört hatte, zu mischen. Während der Mix-Session an ´Get
It On` kam John Kallodner, rein äußerlich ein Abbild von John Lennon
und einer der Rock-Gurus der amerikanischen Musikszenerie, vorbei, um
Hallo zu sagen. Ihm gefiel der Song, und er bat darum, eine
Kassettenaufnahme mitnehmen zu dürfen. So weit es bekannt wurde,
landete das Tape schließlich bei einer Radiostation in Detroit, die den
Song spielte, ohne dass jemand aus der Band oder gar von Polygram
Records davon etwas mitbekam. Auch wenn es nur schwer zu glauben ist,
doch weitere Radiostationen begannen plötzlich, den Song über den Äther
zu schicken, obwohl das Album noch gar nicht veröffentlicht war. Das
amerikanische Szene-Magazin ´Album Network` berichtete über eine
mysteriöse Band, welche die Telefondrähte der Detroiter Rocksender heißlaufen
ließen. Urplötzlich, und nur wenige Wochen später, spielten sämtliche
Rockstationen Amerikas das Stück ´Get It On`. Kingdom Come erreichten
Goldstatus, noch ehe das Label oder die Band selbst überhaupt in der
Lage waren, über die Wahl einer ersten Single zu diskutieren.
Kingdom Come tourten in ganz Europa, und eröffneten die Show einer
englischen Band namens Magnum, während die Erfolgsmeldungen aus Amerika
von Minute zu Minute aufregender wurden. Der Zeitpunkt konnte für
Kingdom Come also gar nicht besser sein, um auf das Billing der ´Monsters
Of Rock`(USA) - Tour aufzuspringen und mit Größen wie Van Halen,
Scorpions, Metallica und Dokken zu spielen. "Außer der Tatsache,
dass ich bereits um zwei Uhr nachmittags singen musste, war dies die großartigste
Zeit meines Lebens. Schon merkwürdig, dass mich ein Auftritt vor 200
Leuten in einem Club mehr zum Schwitzen bringt, als eine Show vor 80.000
Rockheads im ´Meadowlands Stadion` von New Jersey", wundert sich
Lenny. Im Anschluss an die ´Monsters Of Rock`-Tournee setzten Kingdom
Come ihre Amerikareise für zwei weitere Monate mit den Scorpions fort.
Durch den unerwarteten Erfolg stieg allerdings auch der Druck auf die
Musiker. Die Band erfreute sich einer großen Aufmerksamkeit seitens der
Presse, war auf zahlreichen Titelbildern zu sehen, und registrierte die
Vergleiche mit Led Zeppelin eigentlich nur am Rande. Doch nach einem
verhängnisvollen Kommentar von Danny Stag wendete sich das Blatt plötzlich
ins Gegenteil. Nach Monaten ununterbrochener Vergleiche mit Led Zeppelin
wuchs bei den Musikern der Unwille, immer die gleichen diesbezüglichen
Fragen zu beantworten. Während eines Besuches in einem Stehrestaurant
machte Danny in seiner typisch humorigen Art die Bemerkung zu Lenny und
Johnny: "Wer ist eigentlich Jimmy Page?" Einige Schreiber überhörten
absichtlich die Ironie seines Kommentars, und begannen eine negative
Berichterstattung über Kingdom Come, mit der Grundaussage, dass die
Musiker der Gruppe noch niemals etwas von Led Zeppelin gehört hätten.
Um zu beweisen, dass Kingdom Come keine Alltagsfliegen sind, ging die
Band sofort wieder zurück ins Studio und arbeitete dort mit Keith Olson
(berühmt für seine Zusammenarbeit mit Whitesnake, Fleetwood Mac und
Cheap Trick) am neuen Longplayer. Im Jahre 1989 wurde das zweite Album
´In Your Face` veröffentlicht. Kingdom Come starteten erneut auf groß
angelegte Tour mit Bon Jovi in Japan und Black Sabbath bzw. Warrant in
Amerika. Doch der Erfolg hat nun einmal seinen Preis: Aufgrund des öffentlichen
Drucks, der auf den Musikern lastete, sowie der immensen Erwartungen,
die es wohl nur im Musikbusiness derart rigoros gibt, fiel die original
Besetzung, inklusive des Bandmanagements, anschließend auseinander.
Doch damit begann lediglich ein weiteres Kapitel für Lenny Wolfs
Kingdom Come. Der Split der Band veranlasste ihn, fortan alle Belange in
die eigenen Hände zu nehmen - und er stellte sich dieser
Herausforderung mit seinem typischen Enthusiasmus. Nach einer kurzen
Phase der Leitung und Unterstützung von Seiten Stephan Galfas wurde
Lenny mit Nigel Thomas bekanntgemacht, der von nun an das Management der
Band übernahm. Lenny wiederum begann jenes Material zu komponieren, das
schließlich auf Kingdom Come´s drittem Album ´Hands Of Time` landete,
und übernahm auch die volle Verantwortung für die gesamte Produktion.
Im Anschluss an die Veröffentlichung von ´Hands Of Time` pendelte
Lenny regelmäßig zwischen Los Angeles und Hamburg hin und her, und kam
durch seinen langjährigen Freund Gerd Krombholz in Kontakt zu WEA
Deutschland. Die Verbindung gipfelte in einen weltweiten Plattenvertrag
mit der WEA, so dass 1993 das Album ´Bad Image` in Hamburg und Los
Angeles aufgenommen wurde, wiederum mit Lenny als Alleinverantwortlicher
für alle wichtigen Entscheidungen. Nach einer langen und frustrierenden
Periode voller geschäftlicher Auseinandersetzungen, die schließlich
mit dem tragischen Tod von Kingdom Come´s Manager Nigel Thomas endete,
wechselte die Band 1994 von der WEA zu Viceroy, einem kleinen aber überaus
engagierten Label, das seinen Sitz in der Nähe von Nürnberg hatte. Die
Band, die mittlerweile komplett aus deutschen Musiker bestand, begann
sofort die Arbeiten an ihrem nächsten Album ´Twilight Cruiser`, das
1996 veröffentlicht wurde. Unmittelbar vor dem Ende der ´Twilight
Cruiser`-Tour entschieden sich Lenny und sein Label Viceroy in letzter
Minute, eine Show in Basel, Schweiz aufzuzeichnen. Das Resultat war die
Doppel-CD ´Live And Unplugged`.
Von nun an wurden Kingdom Come von Jim Lewis, einem früheren A & R
Mann bei Polygram zu Zeiten des Albums ´Hands Of Time`, gemanagt. In
dieser Phase blies Kingdom Come allerdings aufgrund der sich permanent
und blitzschnell verändernden US Musikindustrie, und speziell auch
wegen des damals florierenden Seattle Grunge Sounds, ein rauher Wind ins
Gesicht.
Doch Lenny begann erneut, Songs zu schreiben. Er war nicht bereit, sich
selbst zu verkaufen oder auf irgendwelche kurzlebigen Trends
aufzuspringen. Er behielt die musikalischen Trademarks bei, für die
Kingdom Come in all den Jahren bekannt war. Auf der Suche nach einem
geeigneten Drummer erinnerte er sich an eine phantastische Band namens
Mother´s Finest, deren Schlagzeuger Dion Murdock war. Lenny rief ihn an
und Dion kam direkt auf die Reeperbahn, Hamburgs berühmter
Rotlichtmeile. Lenny erinnert sich: "Ich hatte ihn seit sieben
Jahren nicht mehr spielen gesehen, und deshalb keine Ahnung, ob er überhaupt
noch in Form war, oder ob er nicht seine Fähigkeit zu trommeln
mittlerweile eingebüßt hatte. Doch mein Instinkt gab mir Recht."
Dions allererster Satz bei der Ankunft war: "Hey Mann, lass uns mit
der Arbeit anfangen!" Magische Worte eines Mannes mit Visionen. ´Master
Seven` wurde Wirklichkeit und kam 1997 in die Plattenläden.
Ihre gemeinsame Leidenschaft für Corvette Automobile war die Grundlage
für den Beginn der Freundschaft zwischen Lenny Wolf und Luca Maric,
seinem "partner in crime" in den folgenden Jahren. Auf Drängen
zahlreicher Freunde wuchs die Idee in Lenny, ein sehr persönliches
Album in seiner deutschen Heimatsprache aufzunehmen. Ohne dabei die Welt
verändern zu wollen, sondern einfach nur um seine Vorstellungen von
gradliniger, Gitarren orientierter Rockmusik mit einem Querverweis an
seine alten Vorbilder AC/DC umzusetzen, wurde das Album ein rauhes
Statement mit deutschen Texten. Es war schon ziemlich aufregend, Lenny während
seiner Kingdom Come Tour im Gefolge von Deep Purple, die im Sommer 1999
stattfand, gleichzeitig deutsch und englisch singen zu hören. Es kann
auch nicht alles falsch gewesen sein, denn immerhin kümmert sich jetzt,
nachdem er die Band bei einem Auftritt in Berlin gesehen hat, niemand
Geringeres als der berühmte Manager David Krebs, der auch schon für
die Belange von Aerosmith, Scorpions, Ted Nugent und Lennys großem Idol
Bon Scott zuständig war, um Kingdom Come.
Nachdem Lenny auch die deutschsprachige Hürde mühelos genommen hat,
konzentriert er sich nun auf das neue Kingdom Come Album ´Too`, das im
Oktober 2000 über Eagle Rock Records (England) veröffentlicht wird. Es
handelt sich dabei um ein kraftvolles und leidenschaftliches
musikalisches Statement, mit intensiven persönlichen aber auch ganz
allgemeinen Gefühlen. Dieses ist eine Musik, die man nicht beschreiben
kann - man muss sie einfach hören!
Am besten um 2 Uhr morgends auf einer Landstrasse, mit dem
Volumen-Regler auf 11!
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